Was für eine Erleichterung, der drückenden Hitze zu entkommen und eine Stunde mit Musik von solcher Strahlkraft und Schönheit zu verbringen – dargeboten von einem eingespielten Ehepaar-Traumteam. Eine bewegende Mischung aus Schuberts Winterreise und Vaughan Williams’ Songs of Travel. Das Programm trägt den Titel Journey 100 und erinnert an den 100. Geburtstag des deutschen Baritons Dietrich Fischer-Dieskau (1925–2012), eines außerordentlich einflussreichen Künstlers, dessen Stimme für viele bis heute eine verfeinerte, lyrische und artikulierte Aufführungsweise verkörpert, durch die die Dichtung in besonderer Klarheit zum Leuchten kommt. Die Reise des Programms führt zu zwei bedeutenden und sehr unterschiedlichen Wegmarken innerhalb des großen Repertoires der „Wander-“ oder „Reiselieder“ der Musikgeschichte. Die Aufsplitterung der Zyklen und der rasche Wechsel zwischen Schubert und Vaughan Williams regen dazu an, über vieles jenseits ihrer musikalischen und poetischen Unterschiede nachzudenken – etwa über die Natur von Liedprogrammgestaltung und Aufführungsnormen im Wandel der Zeit sowie über die Eingriffe von Komponisten, Dichtern, Interpreten, Verlegern und anderen, die die Vorstellung von Zyklen als rein lineare Ganzheiten infrage stellen. Dass das Konzert mit dem Leiermann beginnt, unterläuft jede Erwartung einer linearen Reise: Als ikonischer Schlusspunkt der Winterreise ist das Lied fest verankert im kollektiven Hörgedächtnis, und seine Platzierung an den Anfang erlaubt es, seiner unheimlichen, repetitiven Klangwelt ohne das Gewicht der vorangegangenen 23 Lieder zu begegnen – und ohne Kontext für die verstörenden Fragen des Protagonisten. Eine Schönheit der Diktion, die das Mitlesen des Textes überflüssig machte – zumal die Pianistin selbst das leise Klingeln eines verirrten Mobiltelefons musikalisch aufzugreifen und zu erhellen wusste! John Humphreys kommentiert dazu: „Mir ist einmal während des Leiermanns ein Handy losgegangen … ich hörte auf zu spielen, Stille, begann erneut – wieder klingelte dasselbe Handy. Fairerweise entschuldigte sich die Verursacherin später und sagte, sie habe angerufen, um zu fragen, ob jemand dem Leierkastenmann ein Bett für die Nacht anbieten könne …!“ Eine wunderbar kühle Oase kultivierter Kultur, während London draußen brodelt – bevölkert von spärlich bekleideten Tourist:innen, die fest entschlossen sind, die Stadt leerzutrinken.
In Partnerschaft mit dem Musée d’Orsay empfängt die Abtei Royaumont Duos aus jungen Sänger:innen und Pianist:innen, die gekommen sind, um sich dem Kunstlied und dem Lied zu widmen [...]
Der Bariton Mikhail Timoshenko und die Pianistin Elitsa Desseva erhalten den Eduard-Erdmann-Förderpreis 2024. In ihrer Begründung würdigt die Jury die langjährige künstlerische Auseinandersetzung und das Engagement, mit dem sich das Liedduo für das Liedschaffen des Komponisten Eduard Erdmann (1896-1958) eingesetzt habe [...]